Thomas Druyen: „Wir müssen die Schule retten“: Debatte über KI im Bildungssystem

Der Zukunftsforscher Prof. Dr. Thomas Druyen, zugleich Honorarkonsul der Republik Albanien, hat sich in der aktuellen Debatte über den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Bildungssystem deutlich positioniert. Seiner Ansicht nach steht das traditionelle Bildungssystem vor einem grundlegenden Wandel und muss sich dringend an die neue technologische Realität anpassen.

In Deutschland wird derzeit intensiv darüber diskutiert, wie KI sinnvoll in Schulen integriert werden kann. Während einige Stimmen strengere Regeln oder sogar Verbote fordern, plädieren andere für eine stärkere Einbindung der Technologie in den Unterricht. Für Druyen ist jedoch klar: Das Problem liegt tiefer.

„Die alte Bildung ist tot. Unser Bildungssystem stammt aus einer Welt, die es nicht mehr gibt“, erklärt der Zukunftsforscher. Prüfungen würden noch immer hauptsächlich auswendig gelerntes Wissen messen, während außerhalb der Klassenzimmer KI bereits Entscheidungen treffe und Prozesse antreibe. Dadurch verliere Bildung zunehmend an Wirkung.

Nach Ansicht von Druyen lernen viele Kinder heute vor allem für das System, nicht für das Leben. Schulen würden häufig Anpassung trainieren, anstatt Urteilskraft zu fördern. Gleichzeitig nutzen Jugendliche KI bereits täglich, jedoch oft ohne Anleitung und ohne klare Verantwortung. Genau darin sieht er eine große Gefahr.

Druyen warnt jedoch auch vor einfachen Lösungen. Weder ein vollständiges Verbot noch eine unkritische Nutzung von KI seien sinnvoll. „KI ist längst Realität. Wer sie verbietet oder ignoriert, macht junge Menschen unfähig. Wer sie blind nutzt, macht sie unmündig“, betont er.

Als möglichen Ausweg sieht der Wissenschaftler eine grundlegende Neuausrichtung des Lernens. Unterricht müsse stärker auf Zukunftsfragen ausgerichtet sein, kreatives Denken fördern und praktische Erfahrungen ermöglichen. Lehrer sollten dabei weniger als Kontrolleure auftreten, sondern vielmehr als Coaches, die Schülerinnen und Schüler beim selbstständigen Lernen begleiten.

In diesem Zusammenhang spricht Druyen von einer „Zukunftspädagogik“, in der KI als Werkzeug und Unterstützung dient – nicht als Ersatz für menschliches Denken. Lernen, das sich mit realen Problemen und Zukunftsfragen beschäftigt, stärke Motivation, Kompetenzen und Selbstvertrauen junger Menschen.

Sein Appell an Politik und Bildungseinrichtungen ist eindeutig: „Wir müssen jetzt die Schule retten.“

Prof. Dr. Thomas Druyen lehrt am Institut für Zukunftspsychologie und Zukunftsmanagement der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien und gilt als einer der renommiertesten Vermögensforscher Deutschlands. Mit seinem Buch „Zukunftspädagogik“ möchte er Impulse dafür geben, wie Lernen im Zeitalter der KI neu gedacht werden kann.

0 Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert